Das Bestreben, durch Gestaltung in bestehende Gegebenheiten und Prozesse einzugreifen, statt sie nur darstellerisch zu reproduzieren, wird neben dem Critical Design und dem Speculative Design auch in der politischer Kunst in den 1970ern deutlich. In diesem Zuge »wird [Kunst] entwickelnder, experimenteller, fragender, kommunikativer, kooperativer, eingelassener in die Realität […]«.(1) Das politische in der Kunst scheint teilweise bereits in der Analyse an sich zu wohnen. Das alleinige Aufdecken und Verdeutlichen unhinterfragter Prozesse kann bereits eine aktivistische Motivation anzeigen. Haarmann verdeutlicht anhand eines Beispiels, wie durch politische Kunst eine Kritik an vorherrschendem Wissen geäußert wird und Künstler_innen in die »Diskurshoheit« eingreifen.(2) In der Videoarbeit »Semiotics of the kitchen« von Martha Rosler aus dem Jahr 1975, hinterfragt die Künstlerin die Symbolhaftigkeit von Küchengegenständen. In alphabetischer Reihenfolge nimmt sie die Gegenstände zur Hand, nennt sie beim Namen und führt eine Bewegung mit ihnen aus. Durch den performativen Umgang mit Löffel, Schüssel, Fleischklopfer und Messer wird deutlich: Die Gegenstände sind nicht ihre Werkzeuge. Sie sind ihre Waffen. Roslers Ansatz schlägt ein neues, anderes Wissen vor. Sie provoziert geltende Meinungen über Geschlechterrollen durch den ungewöhnlichen Umgang mit gewöhnlichen Gegenständen und die Umkehrung einer »vermeintlich unwesentlichen Hausfrauenarbeit«(3) in einen bewaffneten Kampf. Die Arbeit von Martha Rosler verdeutlicht, wie nah Analyse und Aktivismus beieinander liegen.